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Gedichte (oder Värsli)
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Ich zähle mich nicht zu den großen Dichtern und Denkern, wohl eher zur Kategorie der "Värslibrünzler". Gelernt habe ich das Mund- und Denkwerk in der Schule für Gestaltung, wo wir nicht nur in visueller, sondern auch in sprachlicher Kommunikation unterrichtet wurden. Es galt, Dada-Gedichte in Gruppen- arbeit zu entwickeln. Wir saßen in der Kantine und es war einfach, die Bilder mit Worten zu benennen. So bestand meine erste Zeile aus den Worten "Bohne, Simone, Toblerone".
Seither versuche ich mich ab und zu wieder in dieser Disziplin.
(Prosa-Text auf www.majho.ch )
Frühlingsgefühle
Aus der tiefen Winterkühle quellen hoch die Warmgefühle zwischen gar so manche Stühle.
Sei mein lieber guter Schatz, sag mir nur den einen Satz, und bleib hier auf diesem Platz.
Und so ringen die Gemüter, streiten sich um manche Güter, die roten und die blauen Blüter.
18.4.04
Dichtung
Der Morgen war so bitter kalt, wie in einem Gletscherspalt. Der Dichter fror und auch das Rohr.
Der Mann, er wollte sein ein Nasser, das aber ging nicht ohne Wasser. Er reimte Dichtung für das Rohr, doch dafür hatte es kein Ohr.
Das Rohr gebrochen, er hat´s gerochen. Was half da Dichtung, in der Richtung?
Die neue Dichtung musste her, das zu verstehn war nicht so schwer. Er sah die Welt nun nicht mehr rosa und schimpfte ordinär in Prosa.
Was sollte er nach Lyrik suchen, doch lieber ganz gewöhnlich fluchen!
Der Dichter war kein Künstler mehr, das Rohr dagegen traf es sehr. Es schwang sich auf zu edlen Klängen, Musik in den gefrornen Gängen.
So seltsam wie nur echte Kunst, rang es um des Dichters Gunst. Doch dieser war so sehr erschrocken, dass er blieb bis heute trocken.
Maja Hotz © September 2007
Wissenschaft These Antithese Prothese
Leidenschaft Kam ein Schlimmer in mein Zimmer. Davor hatt´ich nie und nimmer davon einen blassen Schimmer.
Maja Hotz © November 2006
Geschlechterk(r)ampf
Es waren einst die schönen Maiden, mutig, stolz und unbescheiden. Ja, sie waren groß und stark, sowas nennt man heut’ autark.
Sie brachten’s unter einen Hut, denn sie waren wirklich gut. Sowas dürfte nicht passieren, man müsst’ sie geistig früh kastrieren.
Man hat die Sprache neu gestaltet, erklärt die Maid als klar veraltet. Ruhiger sind seither die Zeiten, Mädchen trippeln, statt zu schreiten.
Die Frauen fühlen sich kupiert, doch sie haben’s nicht kapiert. Von den verniedlichenden Hieben ist ihr Verstand zu klein geblieben.
Sie kämpfen hart im Kollektiv, und sie denken positiv, fordern schreiend als Signal: Ein Innen für jeden Plural!
Die Wut ist groß, der Eifer stark, schmerzen muss es bis ins Mark. Die Männer ziehen winselnd mit, sie fürchten einen Tritt im Schritt.
Nur eine leidet an der Rache: die gute alte deutsche Sprache. (Wer’s nicht glaubt: es steht im Duden, geschrieben von modernen Buben.)
Maja Hotz © August 2001
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